RFID-Forschung unterstützt Unternehmen (VDI nachrichten)
VDI nachrichten, 06.06.2008
VDI nachrichten, Düsseldorf, 6. 6. 08, rb - Die große Herausforderung für Forschung und Praxis liegt derzeit in der Integration von RFID-Systemen in die Geschäftsprozesse von Unternehmen. Gleichzeitig arbeiten Wissenschaftler schon an der nächsten Zukunftsvision: dem Internet der Dinge.
Wenn Unternehmen RFID einsetzen wollen, haben sie einen ganz unterschiedlichen Nutzen davon - je nachdem, an welcher Position der Wertschöpfungskette sie liegen, ob sie Hersteller, Zulieferer oder Logistikdienstleister sind. So bleibt Zulieferern oft gar nichts anderes übrig, als RFID-Tags auf ihre Produkte zu kleben - ohne dass sich ein direkt messbarer Nutzen zeigt.
Hier ist die Unterstützung der Forschung gefragt. Neue Probleme der firmenübergreifenden Zusammenarbeit untersuchen Wissenschaftler im Projekt Ko-RFID. Die Forschungsfrage: Wie lassen sich Kosten, Nutzen und Risiko messen und auf alle Unternehmen der Wertschöpfungskette verteilen? "Eine große Herausforderung liegt in der übergreifenden Zusammenarbeit von Unternehmen", betont Gerrit Tamm, Geschäftsführer des Berliner Forschungszentrum Ko-RFID an der Humboldt Universität zu Berlin, gegenüber VDI nachrichten. Das mit 5 Mio. € geförderte Projekt ist ein Bestandteil des Forschungsprogramms "next generation media" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie BMWi.
Forschungsbedarf im Bereich RFID besteht auch im Bereich der Hardware: So stören Metallteile die Funkübertragung der RFID-Tags. Zur Lösung dieses Problems hat der Projektpartner tbn GmbH im Rahmen des Projekts LAENDmarKS zwei Entwicklungen zum Patent anmelden können. Auch LAENDmarKS gehört zum Forschungsprogramm "next generation media" und beschäftigt sich mit der Rückverfolgbarkeit von Automobilkomponenten mit RFID.
Mit dem Problem der Induktionsfelder großer Maschinen in Fabrikhallen beschäftigt sich Sm@rt Logistics, das das Layout von Fabrikhallen simuliert und Fahrzeugen in Echtzeit ermöglichen will, den richtigen Weg durch die Halle zu finden - vorbei an laufenden Maschinen mit störenden Induktionsfeldern.
Die Weiterentwicklung von RFID-Technologie hin zu Systemen, in denen die Objekte auf der Basis einer eigenen Intelligenz selbsttätig agieren, hat innerhalb der Forschungsförderung eine hohe Priorität. So soll das Projekt SemProM (siehe Kasten) die technologische Spitzenstellung Deutschlands im Bereich des "Internets der Dinge" ausbauen.
Die Einschätzung: Während Deutschland als Herstellerland von Computern, Druckern und Bildschirmen oder Basissoftware wie Betriebs- oder Datenbanksystemen keine Rolle mehr spielt, sieht es auf dem Gebiet der Unternehmenssoftware anders aus. Hier sei Deutschland führend, so die Einschätzung der Projektbeteiligten. Auch bei der Entwicklung von innovativer Anwendungssoftware für eingebettete Systeme in der Automobil-, Automatisier- und Medizintechnik nimmt Deutschland eine führende Position ein.
So lassen sich Geschäftsregeln am Produkt abspeichern, so dass beispielsweise ein Chemikalienfass in der Fabrik selber weiß, wie groß sein Abstand zu anderen sein muss und wie hoch die maximale Raumtemperatur sein darf. Es meldet sich eigenständig, sobald festgelegte Schwellenwerte überschritten werden. Das erklärt Oliver Christ, Leiter des Schweizer Forschungsstandortes der SAP. "Es geht darum, mehr Geschäftslogik auf die realen Gegenstände zu verlagern", erklärt Christ, damit sie auch in chaotischen Umgebungen interagieren und durchgehende Prozessketten bilden können.
Eine weitere Forschungsaufgabe liegt in der Vereinheitlichung der Daten, die aus unterschiedlichen Quellen stammen, von Sensoren, GPS-Navigationssystemen, Barcodes oder aus ERP-Systemen. Und: Wie generiert man aus diesen Datenmengen wirklich nützliche Informationen, beispielsweise über den Status einer Warenlieferung?
"Die Fragestellungen sind jetzt nicht mehr so technisch", sagt Christ. Auch hier besteht die Herausforderung, diese Entwicklungen in die Geschäftsprozesse der Unternehmen einzubauen. "Das muss neu durchdacht werden. Die Events sollen so einfach, stumm und unsichtbar wie möglich sein und sich nur im Fehlerfall melden - und der Nutzer muss eine einfache Sicht darauf bekommen." BARBARA LANGE



